Jan Schnoor Gedenkseite
 
Wenn Liebe einen Weg zum Himmel fände,
und Erinnerungen Stufen hätten,
dann würden wir hinaufsteigen, und
EUCH wieder zurückholen!!!
 
Jetzt sitze ich hier vor leeren Seiten und bin da ,wo ich schon vor 3 Jahren war. Nein,das stimmt natürlich nicht,denn ich habe 3 Jahre Trauer hinter mir. Im ersten Moment hat es mir das Herz zerrissen,das die Seite gehackt wurde,alles weg.Ich konnte es nicht fassen.Aber ich wäre nicht ich,wenn ich mich davon unter kriegen lassen würde.Ich wollte die Hp nicht wieder beleben,sie wird nie mehr das sein,was sie mal war.Die Hp war Jan ,aber auch zum größten Teil ich,da stand mein Herzblut schwarz auf weiß,für alle lesbar.Will ich das wieder,das alle wissen,was für ein Schmerz es ist sein Kind zu verlieren?Ich dachte wenn ich so was öffentlich mache ,würde es was bewirken,die Nichtbetroffenen würden mehr verstehen,aber hat es das?Ich merke nichts davon.Keiner spricht mit mir über Jan.Doch ein Erfolgserlebnis gab es.
Nach dem ersten Schock dachte ich,das war es.Schluss mit der Öffentlichkeit.Heute sehe ich das schon als Zeichen für mich,das mir sagt,es wird Zeit,das ich anfange darüber zu sprechen und nicht nur zu schreiben.Ich habe nie gelernt über den größten Gau in meinem Leben zu sprechen.Ich kann über Jan sprechen,aber nicht über das was sein Tod bei mir aus gelöst hat.Beim Gedenkgottesdienst für Sternenkinder hat die Pastorin mich gefragt,ob ich nicht nächstes Jahr über Jan erzählen möchte.Erst war ich geschockt,dann mußte ich lachen.Wirke ich so auf andere,dass Sie denken,ich stell mich vor eine Gemeinde und erzähle dort das schlimmste was mir in meinem Leben passiert ist?


 
So,mein Süßer,                                                         
jetzt bist Du dran.Ich habe es vermisst Dir zu schreiben.Natürlich wird es die Seite weiter geben,wir wollen doch nicht das Du vergessen wirst.Wir freuen uns immer noch , wenn wir einen Sternenhimmel sehen,dann bist uns allen ganz nah.Noch ist ja Winter und da kann Dich Jolina immer sehen.Für sie bist du und bleibst ihr Stern.Der Stern ,der am schönsten strahlst,dass bist Du für sie.



Heute hat Henning mir die größte Freude gemacht ,die er mir machen konnte.Er hat mir Teile der Hp besorgt,seine Oma hatte sie aus gedruckt.Es ist zwar nicht alles ,aber ich bin trotzdem sehr dankbar ,das ich einen Teil meiner Trauer wieder habe. Henning hat gemerkt wie viel mir die Seite bedeutet und das es mich sehr getroffen hat,das fast alles weg war.


Lieber Jan,
diese Seite ist für Dich,hier werde ich Dir schreiben,wenn ich Dir etwas mitteilen möchte.
Ich war für Dich in einem Kriegsmuseum(ich habe auch versucht mich nicht zu langweilen,fiel mir verdammt schwer) und im Atomium.Du hast das sonst mit Deinem Papa gemacht und er war so traurig,das ihr es nicht mehr zusammen tun könnt,deshalb habe ich es für Dich und Deinen Papa getan.Ich mußte aber die ganze Zeit an London denken,wie wir im Dungeon waren und ich mich so gegrusselt habe und Du mir gesagt hast: " In deiner Haut möchte ich jetzt nicht stecken".Du fandest es so toll das der Mann mich erschreckt hat.Ich höre  Dein Lachen noch heute.
In liebe Mama

 
                                                                                                                 25.05.08
Zeichen?
Ich glaube daran,dass unsere Kinder uns Zeichen schicken.Auch wenn einige vielleicht denken,jetzt sind sie verrückt geworden.Vielleicht ist es auch nur Zufall,aber für mich schickt Jan uns Zeichen,
Wir mußten seine Geckos sauber machen.Das heißt alte Erde raus und neue Erde rein.Das müssen wir nur einmal im Jahr tun.Als das Terrarium fertig war und wieder alles an seinem Platz stand,machten wir eine Pause auf unserer Gartenbank.Plötzlich flog über unseren Teich ein wunderschöner Schmetterling.So einen hatte ich noch nie gesehen.Er war gelb mit orangen Spitzen.ich tat das ,was ich sonst mit Jan getan hätte.Ich holte unser Schmetterlingsbuch  und schaute nach,was das für ein Schmetterling war.Es war ein Schmetterling ,der eigentlich nur in Wäldern vor kommt.Wir leben am Wasser.Für mich ein Zeichen von Jan,das er sich gefreut hat,das wir uns um seine Geckos kümmern,wie wir es ihm versprochen haben.Ich habe diesen Schmetterling danach nie wieder gesehen.

 
 12 Juni 2008

Lieber Jan,
ich wollte Dir schon lange sagen,das ich es toll finde,das Du mit Basti darüber geredet hast,wie Du beerdigt werden wolltest.Dadurch haben auch wir es erfahren.Wir haben nie mit Dir darüber geredet,weil wir immer gehofft haben,dass Du es schaffst.Deshalb bin ich Dir dankbar ,dass Du Dich Basti anvertraut hast.Ich bin froh,das wir es so gemacht haben,wie Du es wolltest,wir wollten auch nicht das Dich die Würmer an fressen.Du fehlst uns sooo!Keiner debattiert mehr mit mir,dabei weißt Du wie ich es gehasst habe.
Mama

 
14.Juni.2008


Hey Süßer!
Wir wünschen Dir alles liebe zu Deinem Sternengeburtstag.Ganz viel Spaß mit den anderen Sternenkindern,macht eine richtige Party.Wenn Du hier auf Erden wärst ,würdest Du jetzt Deinen Perso bekommen und wahrscheinlich hätte ich Dir den ersten Rasierapparat gekauft und Henning hätte Dir Kondome zu gesteckt.Heute vor 16 Jahren,war der glücklichste Tag in unserem Leben.Wir sind aber so dankbar das wir diese schönen Jahre mit Dir verbringen durften.Du bleibst für immer unser Jani,Bobbel,Hannibal und Janinator.Wir lieben Dich.
In liebe Deine Familie

 
16.6.08

Vielen Dank,für die Zeichen zu Deinem Geburtstag.
Basti,Eva und ich kamen im Regen zu Deinem Grab und als wir in Deinem Kreis waren,da schien die Sonne.Als wir von Dir weggingen,hast Du uns die  Eichhörnchen geschickt.Sie haben wirklich ganz niedlich gespielt,danke.
Wenn Du nicht wolltest das Iris die Kerze anzündet,sondern Deine Olle(Jenny,er meinte es immer lieb),dann hättest Du es nicht besser zum Ausdruck bringen können.Die Kerze blieb erst brennen, als Jenny sie angezündet hat.

 
30 Juni 2008
 
Ach Janni,
wann wird es mal besser?Im Moment habe ich die Talfahrt wohl erreicht.Ich hoffe es kann nicht noch tiefer gehen.Ich habe Sehnsucht nach Dir und das Trauertier hat mich voll im Griff.Ich glaube jetzt realisiere ich,dass Du nie wieder kommst.Ich habe jeden Tag das Gefühl.Du kommst durch die Tür und fragst:" Was gibt es zu Essen?"Ich bin so sprachlos,wie bei Deiner Erkrankung,wo alles auf uns ein prasselte.Ich wehre mich mit Händen und Füßen,weil ich es nicht wahr haben möchte,dass Du nie wieder kommst.Ich wollte ja auch nicht wahr haben,wie ernst es um Dich stand.Tief in Innern wußte ich es und wollte es trotzdem nicht wahr haben,Ich denke immer nur,dass kann doch alles nicht wahr sein.Du fehlst uns soo.
Deine traurige Mama
3 Juli 2008
 
Lieber Jan,
ich habe heute die Fotoalben von Deinem Vater sortiert,dabei ist mir was ganz tolles auf gefallen.Du hast die Gesichtsform und die Augen von Deinem Vater,aber von mir hast Du Deine Nase und Deinen Mund.Das ist mir noch nie aufgefallen.Ich habe mich immer nur ge wundert,warum Du mich oft an Judith erinnerst.Sie sieht ja aus wie ich.Du bist ein Mischmasch aus uns Beiden,dass finde ich einfach toll.Ich mußte so weinen,weil Du das nie erleben wirst,was Dein Vater zu der Zeit getan hat.Mich hat ein bischen getröstet,das Du doch etwas von mir hast.Ich dachte immer ,meine Söhne sehen aus wie ihre Väter,aber ich wurde heute eines besseren belehrt.
Deine Mama
 
13 Juli 2008
Vielen Dank Jan!
Wir danken Dir für dieses wundervolle Geschenk.Gestern ist Dein Bruder ausgezogen und da kam Dein Geschenk gerade recht.Ich wollte schon immer die PC.Kamera an schliessen.Ich weiß auch nicht warum ich es dann gestern getan habe(Mutterinstinkt?).Dein Vater hat zu mir gesagt;" Lass es,das tut doch nur wieder weh." Ich konnte wie immer nicht hören und habe sie angeschlossen und das war dann Dein Geschenk an uns.Ein Video von Dir und Basti,wir haben geweint und gelacht.Das warst Du,wie Du immer warst,voller Lachen,Spaß und Schalk.Wir hätten nie gedacht,das wir Dich noch einmal so sehen würden.Es war einfach toll.Ich wußte ,dass ihr mit der Kamera euren Spaß hattet,aber erst Deine Freunde haben mich auf die Idee gebracht,das es ja eine Speicherkarte in der Kamera gibt.Da lag dieses Geschenk an uns fast ein Jahr  rum und erst jetzt hatten wir den Mut uns es anzusehen.So warst Du gestern den ganzen Tag so intensiv bei uns,als wärst Du noch bei uns.Wir lieben Dich.
Judith,Henning,Papa und Mama

 
 16 August 2008
Lieber Jan,
jetzt sind es 365 Tage ohne Dich  und es kommt mir vor als wärst Du gestern noch hier gewesen.365 Tage bist Du für mich gestorben,es ist nicht ein Tag vergangen,ohne das die Bilder da waren.Ich brauche es aber um es zu verstehen,dass es Dich nicht mehr gibt.Ich habe immer gesagt ,meine Kinder sind wie Vampire,statt Blut haben sie Mutterliebe von mir gesaugt.Du warst der größte Vampir von allen und hast einen Teil von mir mit genommen.Du hast aber auch etwas für mich da gelassen,als Du einen Teil von mir mit genommen hast,die Liebe und den Spaß.Dein Lachen und viele schöne Bilder in unseren Köpfen.Ich bin jetzt mal Jolina,die mir dauernd erzählt:" Oma,Jan soll kein Stern mehr sein,ich will ihn wieder haben." Ja,wir wollen Dich alle wieder haben.Ich weiß aber das Du bei uns bist,wenn auch auf eine andere Art.Du bist ganz tief in uns verwurzelt,auf eine ganz besondere Art,wie es nur Sternenkinder sein können.Wir sind dankbar das wir Dich 15 Jahre haben durften,dafür halten wir auch jetzt diesen Schmerz und die Sehnsucht nach Dir aus.
Mama und Papa


 
8.09.08
Mein Süßer!
Heute möchte ich Dir dieses Gedicht schreiben,weil es mich sehr berührt hat und es so treffend für uns ist.

" Kleine Seele ich lass Dich gehn,

denn ich weiß wir werden uns wieder sehen!

Dein Leben hier auf Erden  war viel zu schnell vorbei.

Ich liebe Dich,deshalb gebe ich Dich frei.

Dein Leiden hat ein Ende,

ich übergebe Dich in mächtigere Hände.

Auch wenn mein Herz mich schmerzt so sehr,

die Erinnerung an Dich nimmt mir keiner mehr.

Nun lasse ich Dich gehen fort,

über die Regenbogenbrücke,an einem besseren Ort.

Kleine Seele ich lass Dich gehn,

denn ich weiß wir werden uns wiedersehn!"

Ich sehe Deine Zeichen und sie zaubern jedes mal ein Lächeln auf mein Gesicht.Wir vermissen Dich so sehr .Die Trauer um Dich wird anders,der Dauerschmerz ist weg.Aber was ist wenn ich Dich nicht mehr vermissen werde?Wenn das auch weg geht?Davor habe ich Angst.Ich kann es mir zwar nicht vorstellen,denn wenn das Trauertier uns anfällt,ist jetzt um so schlimmer,so unvorbereitet und es tut dann so weh.Es frisst uns von innen auf und alles was in diesem Moment bleibt,ist das ich nichts dagegen tun tun kann,da heißt es nur aushalten.Ich denke oft in solchen Momenten,ich will Dich wieder haben und ich würde alles dafür tun.Ich verstehe dann nicht,wie ich Dich gehen lassen konnte.Ich warte auf den Tag,wo ich mich in den Garten stelle und diesen ganzen Schmerz her raus schreie.Sag mir wird er je kommen?Nun ist es doch traurig geworden,dass wollte ich gar nicht.Vielleicht liegt es auch daran ,das mich niemand mehr nach Dir fragt.Eigentlich ist es bei der Trauer wie in der Schwangerschaft,alle sehen es,aber sie gehörte nur mir..Es nimmt keiner daran teil.Ich weiß manchmal nicht mehr wie sich Deine Stimme anhört und das macht mir Angst.Bilder habe ich ganz viele im Kopf,aber Deine Stimme fehlt mir so.
In liebe Mama

 
8.10.08
Mein Süßer!
Kannst Du mal etwas für mich tun?Deinem Vater geht es schlecht und alles was ich sage hilft nicht.Geh doch bitte mal in seine Träume und zeig ihm,das es Dir gut geht.Judith und ich haben über Dich geredet und so gelacht,was Du alles angestellt hast..Judith schafft es immer wieder,die schönen Seiten mit Dir hervor zu holen.Sie hat soviel Spaßbilder von Dir im Kopf.Ich weiß,das Du sie mir manchmal schickst,damit ich nicht vergesse wie viel Spaß wir hatten.Also los ,tu das bitte für mich.Dein Papa braucht das.
Deine Dich liebende Mama,die Dir vertraut.


 
3.12.08
Hallo,mein liebes Sternenkind!
Wow,was für ein Zeichen,davon können noch mehr kommen.Ich weiß nicht ob ich das Zeichen erklären möchte,eigentlich möchte ich es nicht,weil es so schön war und es und nur Dir und mir gehört.Ich habe Dich so tief in meinem Herzen verankert,dass es langsam anfängt mir Frieden zu geben.Dieser Dauerschmerz ist weg und dafür ist Dankbarkeit und tiefe Liebe zu Dir geblieben.Ich verstehe es immer noch nicht,dass ich Dich gehen lassen mußte.Aber ich bin dankbar,dass ich Deine Mutter sein durfte.Ich spürte Dich von der ersten Sekunde an.ich sagte zu Deinem Vater,jetzt ist passiert.Er hat mir nicht geglaubt und meinte:" Das kannst du gar nicht wissen." Genau neun Monate später warst Du da.Wenn das Trauertier kommt,heiße ich jetzt in zwischen Willkommen.Es ist jetzt ein Teil von mir geworden.Denn ich weiß ,wenn es wieder geht,bleibt die Liebe zu Dir zurück.
In liebe Mama
25.12.09

 
Mein liebes Sternchen!
Das Fest der Hölle ist fast vorbei.Wie alle Sterneneltern leiden wir jetzt besonders.Am Weihnachtsmorgen,wurde sonst gespielt,jetzt nicht mehr.Ich muß nur an Dich denken,sitze in Pc-Raum und höre Mp3 Player und singe ganz laut mit.Ich weiß ich singe schrecklich und eigentlich warst Du der Einzge ,der das ertragen mußte.Ich höre Deine Stimme,wie Du das lang gezogene Mama sagst,dann sahen wir uns an und lachten .Was würde ich dafür geben,wieder mit Dir zu lachen.Ich würde so gar in die Hölle gehen,wenn alles wäre wie früher.Jetzt kennt auch Dein Vater unser Lied,denn ich habe keine Stimme mehr,weil ich es so laut gesungen habe.Ich warte auf Dein lang gezogenes Mama,aber das kommt ja nicht mehr.Ich muß sagen das singen ist genauso gut ,wie die Werkbank zu bearbeiten.Hast Du mich auch gehört?Ja, Du hast mich gehört,wir haben einen wunderschönen Sternenhimmel.Ich danke Dir dafür.Ich liebe Dich und vermisse Dich ganz doll.
Deine Sternenmama

 
im Juli 2009

Lieber Jan,
wir waren heute mit Jolina in der Stadt. Wenn wir in der Stadt sind gehen wir auch immer in die Marienkirche um eine Kerze für Dich anzünden.Jolina ist immer so begeistert von den Glocken,die am Boden liegen,genauso wie Du es immer warst.Natürlich wollte sie auch zu MC Donalds.Ich war noch ganz in Gedanken bei Dir,als mich Dein Vater auf ein Mädchen aufmerksam machte,das vor dem Laden in ihrem Rollstuhl saß.Ein Onkokid,etwa so alt wie Du.Dieses Mädchen saß da in ihrem Rollstuhl,Cortisongesicht,Glatze,die durch ein Kopftuch verdeckt war.Das erschreckende war,das sie den gleichen Ausdruck im Gesicht hatte,den ich sooft bei Dir gesehen hatte.Traurig,verschlossen und laßt mich doch alle in Ruhe.Ich hatte in diesem Moment,solche Sehnsucht nach Dir und hätte wieder mal alles dafür gegeben,Dich auch so wieder bei mir zuhaben.Auch wenn ich wüßte das unsere Zeit begrenzt wäre.Dann dachte ich an das arme Mädchen und ihre Eltern.Wird sie es schaffen den Krebs zubesiegen?Ich drücke ihr ganz fest die Daumen.
Mama

 
15.August 2010
Lieber Jan,
ich weiß nicht wie Du das geschafft hast,aber wir waren an dem Ort wo wir nie wieder hin wollten,die Uniklinik.Wir haben unser altes Haus ausgeräumt und ich wollte etwas in die Mülltonne stopfen,dabei ist es passiert.Mein Finger war krumm und ich konnte ihn nicht mehr gerade biegen.Da es Sonntag war ,mußten wir ins Krankenhaus fahren,denn  die Bereitschafftspaxis war in die Uni verlegt worden .Das Gesicht von Deinem Vater und Henning sprach Bände.Man konnte direkt sehen wie das Kopfkino in ihren Köpfen lief.Ich kann auch morgen zum Arzt,sagte ich.Jetzt sind wir hier,also bringen wir es hinter uns.Ich wurde auch von Erinnerungen überschüttet.Der Geruch,der Kiosk(wo ich Dir den Playboy gekauft habe und Du dachtest,Du hast wunder was für ein Sexheft in der Hand.Hast es sogar vor den Schwestern versteckt),dann das Cafe,wo wir immer ein Mettbrötchen und einen Kakao getrunken haben,obwohl es verboten war Mett zuessen,was uns aber egal war.Die Flure,alles war so vertraut.Als wir endlich das Krankenhaus verlassen konnten war es kurz vor 21Uhr,genau zu der Zeit haben wir Dich auch vor 3 Jahren verlassen.Der gleiche Weg zum Parkplatz und genau wie damals fing es an zuregnen.Das Kopfkino in unseren Köpfen lief und lief.
Ein Bild steht mir ganz deutlich vor Augen,Du liegst im Bett und ich habe meine Hand auf Deinem Arm .Wir wollten gehen,aber ich konnte es nicht. Dann tust Du meine Hand weg und schaust mich durch die Maske an und deine Augen sagen: Geh!Oder Mama lass mich los.Das war das letzte Mal wo wir Beiden uns angeschaut haben.Als ich Dich 3 Stunden später sah ,warst Du schon im Koma und bist kurz danach gestorben.

24.März 2011
Liebe Jan,
gestern mußte ich wieder was lernen,was mir sehr weh getan hat.Eigentlich schon vor ein paar Monaten.Dein Vater möchte Judith und Henning adoptieren.Dafür braucht man viele Papiere unter anderem auch eine Bescheinigung vom Standesamt,ob man noch andere Kinder hat.Als wir die Bescheinigung in der Hand hatten ,verschlug es uns beiden den Atem.Da stand es schwarz auf weiß ,Kind verstorben.Es tat so weh ,ich mußte da ganz schnell raus ,sonst hätte ich da sofort los --geheult.Als wir im Auto saßen haben wir beide erst mal geweint.
Jetzt ist es mit der Adoption soweit und da wurde Dein Vater gefragt ob er noch Kinder hat.Du zählst einfach nicht mehr.Er hat keine Kinder.Das kann ich im Moment einfach nicht hinnehmen.Ich habe 3 Kinder und werde immer 3 Kinder haben.Wie kann ich kein Kind mehr haben,wenn du mir so nahe bist?
Wir saßen da zu viert und uns ging allen durch den Kopf ,das wir keine komplette Familie mehr sind.Du hast uns in diesem Moment so gefehlt,aber trotzdem warst Du in unseren Gedanken bei uns.Es ist mir egal was die Behörden sagen,Dich gab es und Dich wird es immer für uns geben,denn wir werden Dich nie vergessen,weil Du für immer ein Teil von uns sein wirst.Natürlich habe ich dein Zeichen gefunden und deshalb weiß ich das Du bei uns warst.
Deine Lieben

 
Für andere Sterneneltern!
 
Mir ist schon bewußt,das das viele lesen können,aber trotzdem werde ich es hier rein schreiben,denn ich möchte auch anderen Sterneneltern Mut machen.Ich wollte nie Tabletten nehmen,weil ich dachte,das schaffe ich auch so.Eine Gesprächstherapie war für mich in Ordnung,die ich auch schon zu Jans Lebzeiten begonnen habe.Nach 3 Jahren Trauer merkte ich,das ich an meinem Limit angekommen war.Ich lief die letzten Jahre auf vollen Touren,war die ganze Zeit unter Hochspannung.Ich mußte der Fels für meine Familie sein,regelte alles.Ich konnte nicht mehr,mir das einzugestehen,war schon hart.Ich bin dann zu meinem Arzt und holte mir Hilfe.Er gab mir Tabletten und und das war das Beste was mir passieren konnte.Die Tabletten brachten mich runter,ich lief wieder normal,nicht mehr die ganze Zeit am Limit.Ich nahm sie 3 Monate und es ging mir gut.Ich war so blöd,man muß nicht alles allein schaffen.Ich habe auch heute meine Tiefs,aber zwischen diesen Tiefs gibt es auch Hochs und die dauern immer länger, bis das Tief mich wieder findet.
 
Mutterherz!
 
Ich hatte 15 Jahre 3 Kinder,aber im 16 Jahr hatte ich nur noch ein Kind.Jan nahm den ganzen Raum ein,den ich sonst durch drei geteilt habe.Es fing an mich im 2 Jahr meiner Trauer zu stören,das Jan soviel Raum einnahm.Jedes Kind liebt man auch seine besondere Art.Jan wurde in eine Zeit geboren,die für mich der Wendepunkt in meinem Leben war.Ich war glücklich und zufrieden.Ich konnte ihn genießen ,mit der Erfahrung die ich von meinen beiden Großen gesammelt habe.
Nach Jans Tod war es einfach so,das die Trauer um Jan mich völlig ausgefüllt hatte.Es war einfach nicht mehr soviel Platz für Judith und Henning da,obwohl ich sie genauso liebe wie Jan.Auch habe ich ihre Trauer bemerkt,aber ich konnte einfach nicht helfen.Irgendwann fing es an mich furchtbar zu stören ,das Jan seinen Geschwistern soviel Platz weg nahm.Heute habe ich es geschafft,das mein Mutterherz wieder im Lot ist,denn jetzt haben dort wieder alle ihren Platz an der richtigen Stelle.Jan wird wahrscheinlich immer seinen besonderen Platz haben,aber den hat er bei allen in seiner Familie und das ist in Ordnung.


Lieber Jan,
Jolina geht jetzt in die 1 Klasse.Wenn ich mit ihr Hausaufgaben mache,erinnert sie mich sehr oft an Dich.Du hast natürlich nicht so bockig mit verschränkten Armen vor mir gesessen.Ich muß sooft daran denken,wie Du lernen mußtest,das Deine Mutter auch nicht alles kann.Du hast Deutsch gehasst und ich auch,weil ich auch heute noch mit der Rechtschreibung Probleme habe.Du mußtest irgendwas in der Deutschhausaufgabe machen und hast natürlich mich gefragt,wie das geht.Ich hatte keine Ahnung.Dein Gesichtsausdruck und Deine Worte waren einfach zu komisch,dass werde ich nie vergessen." Du bist die Mutter,du mußt das doch wissen! " Mütter wissen eben auch nicht alles.Aber wir beiden hatten ja Judith,die Dir immer in Deutsch helfen konnte.Ich hoffe ,dass sie es endlich mal schafft,die Hp zu kontrollieren,bevor die Leser über meine Fehler lachen:)Wir haben so gelacht,bis uns die Tränen kamen.Das sind die schönen Bilder von Dir im Kopf und davon habe ich ganz viele.

Lieber Jan,
habe das gerade gelesen und sitze hier und weine.


 
KINDERKREBSSTATION
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Nirgends sonst
habe ich soviel Kummer, Schmerz und Ohnmacht
mitgetragen und durchlebt
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
verspürte ich Hass - und Ungerechtigkeitsgefühle intensiver in mir
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
haben Kinderaugen eine deutlichere Sprache gesprochen
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
war mir ein vollkommen reglos im Bett liegendes Kind unheimlicher
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
gingen mir die Schreie von Kindern so sehr durch Mark und Bein
wie auf der Kinderkrebsstation.
Nirgends sonst
sah ich mehr spuckende Kinder, mehr kahle Köpfe und blaue Flecken, mehr piepende
IVAC's und bandagierte Hände
als auf der Kinderkrebsstation.

DOCH nirgends sonst
habe ich großartigere Menschen kennen gelernt
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
war der Umgang zwischen Personal und Betroffenen so offen
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
herrschte eine größere Lebenslust und Zuversicht
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
kam das Lachen so tief aus der Seele
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
war die Hoffnung so greifbar
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
gab es so einen starken Zusammenhalt
zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
wurden so viele Regenbögen gemalt
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
habe ich das "TROTZDEM" so intensiv erlebt
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
konnte ich schlaflose Nächte besser nutzen
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
gingen Kinder behutsamer und toleranter miteinander um
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
habe ich weisere Kinder getroffen
und das Ausmaß wahrer Tapferkeit besser verstanden
als auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
wurden so tiefe Freundschaften geschlossen
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
habe ich mich auch "fremden" Kindern und Eltern so verbunden gefühlt
wie auf der Kinderkrebsstation.

Nirgends sonst
als auf der Kinderkrebsstation
habe ich mein Leben wieder lieben gelernt

Beatrice Pfister (1994)

 
 
die Zeit auf der Kinderonko hat mir eine große Narbe verpasst.Sie war so intensiv,so voller Gefühle,die ich bis heute nicht einordnen kann.Vieles in diesem Gedicht passt auf Jan und mich,aber ich würde noch einen Punkt hin zutun,Einsamkeit.Wir haben  keine Freundschaften geschlossen,dazu waren wir zu intensiv mit Alfred(dem Krebs)beschäftigt.Vielleicht schaffe ich es auch deshalb nicht, Jans Krankengeschichte zum Ende zu bringen.Immer wenn ich mir vornehme es zu tun,ist da nur leere in meinem Kopf.Vielleicht habe ich aber auch nur Angst mich dieser Zeit zu stellen,ich weiß es nicht.
 
1 Juni 2011
Lieber Jan,
Dein Vater trauert so anders wie ich.Er war derjenige der immer Tränen in den Augen hatte,wenn er von Dir geredet hat.Wenn ich geheult habe,dann richtig.Oft solange,bis ich keine Luft mehr bekommen habe.Jetzt bin ich es,die bei jeder Kleinigkeit Tränen in den Augen hat.Weißt Du was er heute gemacht hat?Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen.Er ist in die Bibliothek gegangen und hat sich das Sterberegister von 2007 angeschaut.Und was soll ich sagen,es waren nur 2 kleine Kinder und in der Gruppe 14-19 Jahre gab es auch nur 2 und einer davon warst Du.Soll ich mich freuen,das es so wenige sind?Kann ich irgendwie nicht.Warum dann Du,wenn es so wenig sind?
Langsam fangen Dein Vater und ich an unseren Trauerweg zusammen zu gehen.Wir können endlich darüber reden.Ich hätte so was verrücktes wie das Sterberegister einzusehen nie gemacht,weil es bedeutet,das ich es schwarz auf weiß sehe,was ich tief in meinem Inneren wußte,das es nicht viele Kinder sein würden.Und es tut verdammt weh,es zu sehen.Es ändert nichts daran,das Du Tod bist,aber es wirft die warum Frage wieder in den Raum.
Was wir für Dich empfinden,brauche ich Dir nicht zu schreiben,denn das weißt Du,hast es immer gewußt.
Deine nachdenkliche Mama
13.06.2011

 

Hallo mein Kleiner,
heute vor 19 Jahren war einer meiner glücklichsten Tage,natürlich jetzt noch nicht,denn um diese Zeit setzten die ersten Wehen ein.Im Krankenhaus hatte auch nur Dein Vater Spaß.Wir beide quälten uns mit Wehen ab,während Dein Vater in aller Ruhe die Frankfurter Allgemeine las.Selbst als ich sagte kommst du jetzt mit in den Kreissaal,mußte ich mir anhören,bin gleich fertig mit dem Artikel.Wie Du mich kennst war ich gleich auf 180 für so eine Antwort.Wenn Du nicht sofort kommst,bekomme ich das Kind ohne Dich.Natürlich war Dein Vater dann doch dabei.Ich war so glücklich das ich ein gesundes Kind  zur Welt gebracht habe,das mir alles andere egal war.Und heute?Heute soll ich mir vorstellen das Du jetzt 19 Jahre wärst!Das geht überhaupt nicht,denn für mich wirst Du immer der 15 jährige Junge bleiben.
Du warst so niedlich und ich hätte dich immer nur knutschen können.Aber am meisten haben mich immer die Hände und die Füße meiner Kinder fasziniert.Ich weiß nicht warum,aber bei mir war das so.Vielleicht ,weil ihr mich damit immer geboxt habt.
In Deinem letzten halben Jahr war es Deine Glatze,die ich so gern berührt habe.Ich konnte nie  genug davon  bekommen sie zu streicheln.Ein Bild wird immer in meinem Kopf bleiben,Deine zarte Hand,wie Du Dir selber immer wieder   über die Glatze streichelst.
Du hast mir soviel gegeben und ich sollte dankbar sein,aber ich will mehr.Ich vermisse Dich so sehr und das Tier hat mich auch diesmal voll im Griff.Manchmal habe ich große Angst,das ich so werde,wie die alten Frauen,die mir immer im Krankenhaus begegnen.Die nur von ihren Sternenkindern sprechen.Wird mein Leben so sein,das die Sehnsucht mein Leben bestimmt?Ich hoffe es nicht.
Das ist mein Geburtstagsgeschenk,kommt natürlich nicht aufs Grab,denn es ist zum klauen zu schade.

So Still,
dass jeder von uns wusste,
das hier ist, für immer,
für immer und ein Leben
und es war so still,
dass jeder von uns ahnte,
hierfür gibts kein Wort,
das jemals das Gefühl beschreiben kann.

 

So still, dass alle Uhren schwiegen,
ja, die Zeit kam zum erliegen,
so still und so verloren gingst du fort,
so still und so verloren gingst du fort.

 
Ich hab so viel gehört und doch kommts niemals bei mir an,
das ist der Grund warum ich Nachts nicht schlafen kann,
wenn ich auch tausend Lieder vom Vermissen schreib,
heisst das noch nicht das ich versteh,

warum dieses Gefühl für immer bleibt.

 

So laut, die Stunden nach dem Aufschlag als es galt,
dass alles, zu erfassen und verstehen und es war,
so laut, dass alles was wir dachten nichts als Leere zu uns brachte
so laut und so verloren war es hier,
als Stille bei uns wohnte anstatt Dir.

 

Ich hab so viel gehört und doch kommts niemals bei mir an,
das ist der Grund warum ich Nachts nicht schlafen kann,
wenn ich auch tausend Lieder vom Vermissen schreib,
heisst das noch nicht, dass ich versteh,
warum dieses Gefühl für immer bleibt.

 

So still, obwohl ich dich mit jedem Tag vermiss`
und wo immer du auch gerade bist,
du zeigst mir, dass Stille jetzt dein Freund geworden ist.

 

Ich hab so viel gehört und doch kommts niemals bei mir an,
das ist der Grund warum ich Nachts nicht schlafen kann,
wenn ich auch tausend Lieder vom Vermissen schreib,
heisst das noch nicht, dass ich versteh,
heisst das noch nicht, dass ich versteh,

 

Ich hab so viel gehört und doch kommts niemals bei mir an,
das ist der Grund warum ich Nachts nicht schlafen kann,
wenn ich auch tausend Lieder vom Vermissen schreib,
heisst das noch nicht, dass ich versteh`,
warum dieses Gefühl für immer bleibt.

http://www.youtube.com/watch?v=fgCOUO-s8nY
mal wieder einer der Lieder die mir zu Herzen gehen,weil sie genau das ausdrücken was Sterneneltern oder andere Trauernde empfinden.

 
27.06 .2011
Lieber Jan,
Du bist nicht vergessen und wirst es auch nie sein.Ich schicke Dir jetzt mal einen Gruß von Melina.
 
weißt du noch , damals ?
Als wir zusammen das Boot gebaut haben , was nicht schwimmen konnte , aber weil wir es unbedingt schwimmen sehen wollte haben wir es einfach rein geschmissen und es ist untergegangen .
wie wir gelacht haben , als Lorena reingefallen ist ?
wie wir den Schwänen zugeguckt haben , wie sie das Brot aufgefressen haben ?
wie wir in der Sandkiste die Armee und die Panzer zusammen krachen lassen haben ?
wie wir verstecken gespielt haben und uns erst nach Stunden gefunden haben ?
wie laut wir gesungen haben ?
wie wir versucht haben auf den dünnen Zaun von Omas garten zu balancieren ?
wie sehr wir uns gefreut haben , wenn wir bis neun draußen bleiben durften ?
du warst wie ein großer Bruder , den ich selten sah , aber über alles liebte .
ich kann mich noch an deinen letzten Satz erinnern :
'Melina , ich bin so froh das du meine Cousine bist .'
ich schwieg mit tränen in den Augen .
ich konnte dir nie sagen wie doll ich dich lieb hatte ..
ich würde dich gerne noch einmal in den arm nehmen und sagen wie toll du bist .
ich vermisse dich so sehr , Jan . ♥


 
Lieber Jan,
diesen Brief habe ich bekommen,aber eigentlich ist er auch für Dich.Melina hat ihn geschrieben und mit ihrer Erlaubnis setze ich ihn hier rein.In diesem Brief spürt man ihre Liebe und ihre Trauer um Dich.
 
Erinnerungen

Wir arbeiteten bestimmt 3 Stunden an diesem Boot , wir wollten eigentlich das es schwimmt um es denn an einem Faden über die Trave zu ziehen , aber irgendwie war das Holz so schwer , da konnte das Boot nur untergehen ; aber da wir unbedingt wollten das das Boot schwimmt , haben wir es einfach rein  geschmissen und haben gehofft , das es doch schwimmt was denn aber nicht so war ..
darauf hin wollten wir es wieder raus holen und es umbauen , aber da das Boot schon weiter raus getrieben war , mussten wir mit den Füßen ins Wasser .. wir hatten beschlossen das Wir Lorena festhalten und sie denn ins Wasser geht und das Boot raus holt .. was zu der zeit noch unklar war , war das es da alles voller Algen war und Lorena sofort ausrutschen würde ..
und wie das Schicksal es will , Lorena fällt ins Wasser ..
Jan und ich hatten uns so mit dem lachen beschäftigt das wir ganz vergessen hatten Lorena wieder raus zuholen ..
Sie fand das zwar nicht so witzig .. aber Jan und ich hatten unseren Spaß !

Vor Oma's Haus ist ein Kleiner Vorgarten , der mit einem kleinen aber jedoch stabilen Zaun umringt ist .
Wenn Jan und ich mal länger ( damals war Neun Uhr für uns schon Lang ) raus durften spielten wir immer , wer am längsten auf dem Balken balancieren konnte .
Irgendwie schaffte er es immer mich zu besiegen , er konnte sich einfach besser halten ..
Oder wir gingen runter zu ihm und spielten in seinem Sandkasten mit seiner Armee und den ganzen Panzern ; das Spielte hatte zwar keine richtigen Sinn und ich hasste das Spiel , weil man da nicht gewinnen konnte , aber es war trotzdem ein weiterer Teil meines Lebens , den ich mit ihm verbrachte .

In Oma's Garten war ein kleines Gewächshaus , in dem lauter alte ' coole ' Dinge rumstanden und darauf warteten von uns verwendet zu werden ..
Oma liebte ihre Blumen , sie hatte Millionen von ihnen , aber jedes dieser war ihr heilig , und damit sie ihre Blumen besser transportieren konnte , standen alle diese auf eine Art Rollbrett ..
Jan und ich dachten uns das mal damit ein Auto bauen konnte , deshalb nahmen wir einige davon mit in die Werkstatt von Opa und bauten diese zusammen ...
Irgendwie war das denn aber doch doof , und wir haben alle wieder auseinander gebaut und haben sie als ' Liege – Skateboard ' genutzt , wir rollten die ganze Zeit auf dem Bauch mit dem Skateboard über die Insel ...
Anfangs war es lustig , doch wenn sich nach einiger Zeit , in den Rollen Steine verhaken , tut das nur weh , denn wenn man gerade mit Vollgas einen Berg runter brettert und denn kommt ein Stein dazwischen .. naja ..

Die Zeit verging , wir wurden älter , hatten wenig Zeit , sahen uns wenig ..

Nach einiger Zeit bekam ich mitgeteilt das er krank sei ..

ich fragte vorsichtig nach was er hatte und ob es schlimm ist ..

Papa versuchte es mir vorsichtig zu erklären , das er bald hoffentlich wieder gesund wird .

Geredet haben wir darüber selten , und wenn nur mit Mama oder Papa .

Mit Oma konnte ich darüber nicht reden , sie fing immer an zu weinen , was ich natürlich nicht wollte und so oder so überhaupt nicht verstand , denn wenn er wieder gesund werden wird , warum weint sie denn ?


Ich hatte Jan lange Zeit nicht gesehen , es ging ihm schlechter und schlechter .

Doch nach einiger Zeit war ich öfter bei Oma .. hab ab und zu da geschlafen ..

Als ich morgens aufstand , saßen Jan und Oma im Wintergarten und tranken Tee , jeden Tag , Tag für Tag .

Wie war das noch , Früchtetee mit Zwei Kandis ?

Sie redeten über alltägliche Dinge , aber nie über Schule ..

Nach einiger Zeit bemerkte ich das er nicht mehr in die Schule kam und im Krankenhaus war , das er im Rollstuhl saß und sich veränderte .


Ich sah ihm die Veränderung nicht nach und nach an , sondern ich traf ihn bei Oma .

Ich ging nur an ihm vorbei und sah ihm wie er da saß , wie gelähmt , saß er dort im Rollstuhl , er redete langsam und ein bisschen undeutlich , trank langsam seinen Tee , und er hatte immer eine Mütze auf ...

Als ich ihn so sah , rannte ich in die Küche und weinte , ich konnte die Tränen nicht zurück halten , ich musste so weinen , als ich sah , wie sehr sich ' Jan ' veränderte .

Das war nicht Jan , sondern ein Junge der sehr alt aussah , der aussah als wollte er mit seinem netten und fröhlichen Lächeln nur die Menschen glücklich machen .

Er hatte eine Glatze , ein Vollmond – rundes Gesicht und er war weiß , er hatte eine andere Hautfarbe , seine Hände sahen so alt aus und er hatte eine große Narbe auf dem Hinterkopf .

Ich war so überrumpelt , ich war starr , ich konnte nichts mehr sagen ..


Ich sah ihn öfter so und hab mich wohl oder übel damit abgefunden , das Jan jetzt so aussieht .

Doch es war ja noch Jan , er sah zwar sehr viel anders aus , doch trotzdem war es noch Jan , der da im Rollstuhl saß .

Ich konnte es nicht verstehen , wie er so ' leben ' konnte , und wie er damit klar kam , das er auf der einen Seite komplett gelähmt war .


Ich nahm das alles einfach so hin , obwohl ich im Hinterkopf überhaupt nicht damit klar kam .

Ich hab immer gelächelt , wenn ich Jan sah , damit er auch lächelt , damit er denkt , das es mir gut geht , wenn ich ihn ansehe , obwohl ich dabei log .

Mir tat es so leid , ihn so zu sehen .


Ab und zu holte ich ihn ab , und schob ihn die Straße hoch zu Oma , und dann hatten wir alle zusammen Tee getrunken und uns unterhalten .

Ich hatte ihn selten zurückgeschoben , da meinst mein Onkel oder Cousine kam und ihn abholte .

Aber ich fand das gut , denn es war für mich immer eine Überwindung ihn zurück zu schieben , weil das mir das Gefühl gab ihn wegzugeben und allgemein , ich meinte wer schiebt seinen schwer kranken Cousin gerne im Rollstuhl durch die Gegend ?

Ich hatte ihn einmal runter geschoben um ihn halt nach Hause zu bringen , wir hatten immer wenig geredet , aber was sollte man auch viel reden ..

Nur den allerletzten Satz , den ich von ihm je gehört habe , war :

' Melina , ich bin froh das du meine Cousine bist . '

Ich war so gerührt , das mir sofort Tränen ins Auge schossen .


Ab da an habe ich ihn nie wieder gesehen , geschweige denn mit ihm geredet ..

Es war der allerletzte Kontakt den ich mit ihm hatte .

Und das schlimmste daran ist , das ich in Erinnerung nicht mehr Jan , der mein Cousin ist , sondern den alten kranken Jan habe , der zwar Jan's Seele hatte , doch vom äußeren total verändert aussah .


Ich bin so froh , das ich mich glücklich schätzen kann , einen so wundervollen Cousin gehabt zu haben .

Und ich bin wahnsinnig dankbar , das ich so viele wundervolle Tage mit ihm verbringen durfte .

Ich werde dich niemals vergessen , dich wird keiner ersetzten können und du wirst immer mein großer Cousin bleiben .

Am liebsten würde ich dich nochmal in den Arm nehmen und dir sagen wie lieb ich dich habe , und wie sehr ich dich vermisse .

Doch die Erinnerungen bleiben .


In Liebe , Melina .

 
18.10 .2011
Hallo Süßer,
lange habe ich Dir nicht mehr geschrieben und doch habe ich oft in Gedanken mit Dir geredet.Heute möchte ich aber nicht Dir schreiben,sondern Deinen beiden Geschwistern.Es gibt soviel,was ich nicht aussprechen kann,aber schreiben kann ich es Ihnen.
 
Lieber Henning,
ich warte auf den Tag ,wo wir Beide über Jan sprechen können.Natürlich reden wir über Jan,aber nicht über den Schmerz und das was es in uns hinterlassen hat,ohne mit Jan weiter zu leben.Als Jan starb,habe ich immer noch Deinen Blick vor Augen.Dieses nicht fassen können,was da gerade passiert.Dich habe ich,neben Jan, ganz bewußt wahr genommen,weil Du mir direkt gegenüber gesessen hast.Ich konnte meine beiden Jungen anschauen.Den einen,wie er starb und den anderen,bei dem auch etwas gestorben ist.Dieses Bild ist bei mir eingebrannt.
In Jans Erkrankung hast du am meisten von mir mit bekommen.Deine sonst starke Mama hat sich vor Deinen Augen in ein Häufchen Elend verwandelt,die manchmal keine Luft mehr bekommen hat,weil sie so geweint hat.Du warst immer so lieb zu mir und dafür danke ich Dir.Nicht nur dafür,sondern das Du erst 1 Jahr nach Jans Tod ausgezogen bist.Ich weiß nicht,ob ich das auch noch ausgehalten hätte,ganz allein zu sein.
Ich bin so stolz auf Dich,das Du es geschafft hast,ein paar Tage nach Jans Tod Deine Gesellenprüfung zu schaffen.
Ich weiß,warum ich nicht mit Dir darüber sprechen kann.Ich fühle auch so schon Deinen Schmerz und wenn ich mit Dir darüber sprechen würde,würde es mich mit voller Macht treffen und ich glaube das könnte ich noch nicht aushalten.Irgendwann werden wir es tun,das weiß ich,aber noch ist die Zeit dafür nicht da.
Es ist schön,wenn Ihr in die Disco geht und mir erzählt,jetzt würden wir Jan mitnehmen.Er hat genauso wie bei mir,ein Teil von Eurem Herzen eingenommen und ist immer bei Euch.
Ich liebe Dich und bin stolz so einen Sohn zu haben.
Mama

Liebe Judith,
wenn Du nicht wärst,würde es mich jetzt nicht mehr geben.Du bist mein Mädchen ,was ich immer wollte.Du hast mal zu mir gesagt ,ich würde Dich zu wenig loben,das hole ich hiermit nach.Ich bin richtig stolz auf Dich,wie Du Dein Leben als alleinerziehennde Mutter meisterst und nicht von Harz 4 lebst,sondern Dir Deinen Lebensunterhalt selbst verdienst.Jan hat uns Beide richtig zusammen geschweißt.Denn nur bei Dir konnte ich all die Tränen lassen und die Sehnsucht nach Jan.Bei Dir mußte ich nicht immer stark sein.Du warst auch die Jenige,die mich raus den Löchern gezogen hat.Als ich ganz tief unten war und Du mir sagtest:"Mama,das kannst Du mir nicht auch noch antun".Bin ich wieder wach geworden.Dich konnte ich auch fragen,was ich Jan zum Abschied gesagt habe,denn ich wußte es nicht mehr."Mama,du hast Jan so liebevolle Worte gesagt,wenn ich mal sterbe,möchte ich auch so was von Dir hören.Ich wünsche mir ,das Du sie nie von mir hörst und eine ganz alte Frau wirst.Ich danke Dir ,das Du meine ganz tolle Tochter bist.Ich liebe Dich.
Mama

 
Süßer,ich hoffe das Du mit uns zufrieden bist,wie wir das Leben ohne Dich meistern.Ich schaue oft bei Deinen Freunden auf Facebook vorbei und sehe ,das sie fast erwachsen sind.Ich denke,das sie ganz oft an Dich denken und Du nicht bei ihnen vergessen bist.Dein Gecko ist leider gestorben.War ziemlich hart für mich,weil er vorher eine ganze lang Zeit krank war und ich ihn pflegen mußte.Da hast Du mir richtig was auf gebürdet.Aber ich mache es gern.Jetzt hat er einen Platz bei uns im Garten,erst wollten wir ihn zu Dir ins Grab tun.

                                                                                    10.Juni 2012
Lieber Jan,
bald wäre Dein 20 Geburtstag und das Trauertier hat mich wieder gefunden.Ich war zu einer Trauerkur ,wo ich lernen sollte über Dich zusprechen und das weinen zu lernen.Ich kann weinen,aber eben nicht vor anderen,weil ich ja die starke Birgit bin.Jedes mal wenn ich schwach war ,wurde ich verletzt,deshalb will ich nicht schwach vor anderen sein.Die waren aber schlau und haben mir Musiktherapie verpasst.Ich kann Dir nicht mal richtig erklären wie das funktioniert,auf alle Fälle hat mich die erste Stunde da voll umgehauen.Die Musiktherapie geht übers Herz und da ich meinen Verstand gut kontrollieren kann,war das genau das richtige für mich.Da gibt es die Pauke ,wo man richtig drauf hauen kann.Ich habe dieses Instrument gemieden,obwohl ich mir so sehr gewünscht habe mich daran zusetzen und mal alle Gefühle,die ganze Wut ,die in mir ist ,raus zulassen.In der letzten Stunde habe ich es dann getan und es war toll.Ich habe geweint und nicht nur ich.Die anderen haben mit mir geweint um Dich.Das war das Schönste daran ,ich konnte endlich mit anderen um Dich weinen.Nicht so wie auf der Beerdigung ,wo alle weinten ,nur ich nicht.Ich wollte hier eigentlich nichts mehr über meine Gefühle schreiben,aber wo soll ich sonst damit hin.Die Hp das bist du und ich.Ich habe das Video von Dir angeschaut,es war so schön und gleichzeitig so traurig.Schön ,weil Du so in mir bist,lebendig ,überhaupt nicht verblasst und so traurig,weil ich nicht will das Du weg bist.Du wirst nie vergessen sein,es vermissen Dich ganz viele.Du hast Deine Spuren in uns hinterlassen,denn ich habe ganzen vielen Menschen von Dir erzählt .



                                                                                                                        9.12.13
Ich wollte eigentlich nicht mehr auf der HP schreiben,weil ich gelernt habe meine Gefühle mit mir alleine auszumachen.Die Hp war meine Rettung ,so sehe ich das heute.Sie hat all meine Gefühle auf genommen ,hier konnte ich alles lassen was mich bewegt hat.
Gestern war ich auf dem Lichtergottesdienst für alle Sternenkinder und da hat eine Mutter geredet ,über die Zeit von dem Punkt, wo sich unser Leben verändert hat.  Ich habe mich da wieder gefunden.Sie hat es für mich so beschrieben wie sich unser Leben verändert hat.Als Jan geboren wurde ,bin ich eine Andere geworden und als er starb ,bin ich auch eine Andere geworden.
Ich empfinde es immer so"man sieht mich nicht".Klar, ich lasse ja nicht alle sehen wie ich mich verändert habe.Besonders fällt mir das aber bei meiner Familie auf.Ich denke immer ,warum sehen sie mich nicht.Sie tun es nicht ,weil sie die Alte behalten wollen.Sie wollen nicht noch mehr Veränderungen in ihrem Leben.Kann ich auf einer Seite sogar verstehen,aber mir hilft das nicht.Ich selber würde es  schlimm finden wenn ich noch die Gleiche wäre .Jan hat mir in dem letzten halben Jahr seines Lebens soviel gezeigt,er ist so gewachsen in dieser Zeit.Ich bin richtig stolz auf meinen Kleinen.
Heute nach über 6 Jahren Trauer hab ich meinen Frieden.Ich bin nicht mehr wütend.Die Sehnsucht kommt trotz allem ,aber ich hab das Tier,in meinem Wald besiegt,es hat keine Macht mehr über mich.Wir respektieren uns.Für mich bedeutet das,wenn ich Jan ganz doll vermisse,lebe ich es aus ,denn ich weiß ,es kommen auch wieder andere Tage wo ich meinen Frieden hab.
Irgendwann werde ich es vielleicht sagen ,wie ich es geschafft habe meinen Frieden zufinden,aber diese Gefühle teile ich vorerst nur mit Jan.
Seit ich ihn losgelassen habe,gibt es keine Zeichen mehr von ihm.



                                                                                                              21.2.2015

Alfred

Einige werden sich fragen ,wer ist denn Alfred.Alfred ist der Tumor oder der Krebs.Jan hat ihm diesen Namen gegeben.Ich dachte Alfred wäre mit Jan gestorben aber das ist er nicht,denn Alfred ist immer noch sehr hungrig und frisst sich durch meine Familie.Kann er ja auch denn er hat uns sehr schwach vor gefunden.Das er meine Freunde weg gefressen hat ist mir mittlerweile egal.Wer nicht verstehen kann ,das man nach so einem Schicksalsschlag nicht mehr die Alte ist,ist es nicht Wert Freund genannt zu werden..Ich hab mich lange gefragt ,was Alfred für eine Familie bedeutet?Meine Tochter hat mich erst drauf gebracht,mit dem Wort "Bilderbuchfamilie".Eine Bilderbuchfamilie hat keinen Alfred ,die weiß nicht wie tief man verletzt werden kann,wenn einer aus der Familie wegbricht.Alfred ist der Krebs der Familie.Aber nicht jeder hat Krebs und das ist auch gut so.
Ich glaub wenn ich jetzt weiter schreibe wird es böse,deshalb Pause.