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Trauer
Sternenkinder Tausende von Lichtern am Horizont Jedes erzählt eine andere Geschichte Jedes trägt ein anderes Schicksal Sternenkinder Doch solange sie ihr Licht auf Erden senden Leben sie weiter in uns Geben Hoffnung, Wärme und Zuversicht Jeder Mutter die verzweifelt ist Sternenkinder Sterben niemals ganz Weil ihr Licht tief in unser Herz dringt Und jede Nacht Schaut eine Mutter hinauf zum Horizont Und findet dort ihr Sternenkind Das ihr die Tränen nimmt Ich werde diese Seite wieder dazu benutzen Nichtbetoffenen unsere Trauer ein bischen näher zu bringen.Ich mußte am eigenen Leib erfahren,wie sich mein Leben nach Jan`s Tod verändert hat.Es gab Menschen,die haben die Straßenseite gewechselt,um nur nicht mit mir zusammen zu treffen.Fast alle hatten Angst mich (uns) an zusprechen,es gab nur wenige die normal mit uns um gegangen sind.Ich fragte mich immer,habe ich eine ansteckende Krankheit.Glauben alle wenn sie mit mir reden ,stirbt ihr Kind auch.Das war das schlimmste(außer natürlich,das mein Kind tot war)dass ich mit einem Mal so isoliert war.Keiner möchte diesen Schmerz haben,ein Kind zu verlieren.Wer will das schon?Deshalb will auch kaum einer etwas mit Trauernden zu tun haben.Schock!Das erste Gefühl,das ich beschreiben kann,ist der Schock.Ich stand unter Schock,als Jan starb,anders kann ich mir das sonst nicht erklären.Ich fühlte nur Taubheit.Heute frage ich mich wer war die Frau die das alles aushalten konnte.Es war die Löwenmutter in mir.Schmerz!Der Schock hielt nur 12Stunden an,dann kam der Schmerz.Ich mußte was tun und putzte gerade das Bad,als es mir bewußt wurde.Dein Kind ist Tod und kommt nie wieder.Ein Schrei kam aus mir heraus,der bis heute der einzige blieb.Ich wünsche es mir noch immer,noch einmal so den Schmerz raus zulassen,wie in diesem Moment.Der Schmerz war körperlich,weil den seelischen kann ich nicht beschreiben.Im Bauch,wo sonst die Schmetterlinge sind wenn man verliebt ist,war er.Es war,als fraßen sich Piranha in meinen Eingeweiden satt.Mit diesen Parasieten mußte ich nun leben.Jeden Morgen wenn ich aufwachte,war mein erster Gedanke,irgendwas stimmt nicht und dann wurde mir wieder bewußt,ach ja,Jan gibt es nicht mehr.Erstarrt!Zuerst wußte ich gar nicht wie ich dieses Gefühl deuten sollte.Kannte ich nicht.Aber nach Jans Tod war ich es.Erstarrt zu sein schützt einen,es ist ein gutes Gefühl.Es funktioniert wie ein Filter,läst nur die Gefühle zu,die man aushalten kann.Ich glaube,hätte ich dieses Gefühl nie kennen gelernt,hätte ich das alles nicht überstehen können.Ich habe geweint,aber nicht auf der Beerdigung und auch nicht bei der Urnenbeisetzung.Ich war eine Marionette,die wußte was sie tun mußte.Das Tier!Nach Jans Tod war ich in meiner eigenen Welt.Diese Welt bestand für mich aus einem Wald.Einsam und dunkel.Da gab es niemanden außer mir.Ich wußte das meine Kinder und mein Mann auch in ihrem Wald lebten,aber nicht in meinem.Jeder mußte mit seinen Verlust um Jan selber klar kommen.Ich hätte ihnen gern geholfen,aber da war nichts was ich ihnen hätte geben können.Ich war leer,doch ein Gefühl gab es.Schmerz und davon hatten sie selber genug.In meinem Wald war es nicht nur einsam,es gab da noch ein Tier.Es versuchte mich zu zerstören.Dieses Tier hatte den Namen Trauer.Im ersten Jahr war es mein ständiger Begleiter,es gab nicht einen Tag,wo es mich nicht in Stücke riss.Dann ließ es mich mal ein paar Tage in Ruhe und ich merkte wie mein Wald wieder heller wurde.Heute sind das Tier und ich Freunde,denn ich habe meine Trauer um Jan angenommen.Das Tier hat mir gezeigt,das Jan nicht weg ist.Er ist immer bei mir,ganz tief in meinem Herzen.Das Tier beißt mich auch heute noch,aber dann heiße ich es willkommen.Warum!Warum fragen sich ganz viele Sterneneltern.Ich habe das nie getan,denn darauf werde ich nie eine Antwort bekommen.Ich sehe das so,dass wir alle als leeres Buch geboren werden.Für Einige hat es keine Seiten,das sind dann die Sternchen,die gleich nach der Geburt sterben.Für andere hat es ganz viele Seiten,die werden dann uralt.Es ist einfach Schicksal und das muß man annehmen.Kopf voll!Ich meine das so,weil es stimmt.Seit Jan nicht mehr bei uns ist,ist mein Kopf voll von Jan.Dass können glaube ich nur Eltern verstehen die ihr Kind verloren haben.Ich habe früher auch sehr viel an meine Kinder gedacht,aber jetzt ist das etwas anderes.Wenn ich allein bin,also nicht abgelenkt,ist mein Kopf voll von Bildern von Jan.Manchmal denke ich,ich will meinen Kopf wieder für mich allein haben.Damit meine ich,dass sich nicht alles um die Sehnsucht nach ihm dreht.Sehnsucht!Die Sehnsucht ist das schlimmste,weil einem dabei keiner helfen kann.Ich schreibe jetzt darüber,weil sie mich im Moment voll im Griff hat.Das Kind fehlt einem so,dass ist schlimmer als Liebeskummer.Oder man kann es mit Liebeskummer vergleichen.Das Herz tut weh,eigentlich der ganze Körper.Man möchte sein Kind nur wieder haben,ansehen,streicheln,die Stimme hören,aber man weiß ,das das nie wieder so sein wird.Zwei Gesichter!Ich könnte es auch nennen,wie man lernt zu schauspielern.Wir Trauerndem haben zwei Gesichter,dass normale Gesicht für die Menschen um uns rum und unser Trauergesicht.Meins hat bis jetzt nur meine Familie zusehen bekommen,ich konnte es nicht mal auf der Beerdigung zeigen.es macht den Menschen in unser Umgebung Angst.Es strengt furchtbar an dieses normale Gesicht aufrecht zu erhalten.Weil die Menschen nur mein normales Gesicht kennen,wissen sie nicht ,wie tief ich verletzt bin und wie sehr mir mein Kind fehlt.Ich wurde vor kurzen gefragt(endlich mal einer ,der den Mut hatte,sonst wird Jan ja totgeschwiegen),ob es denn jetzt besser ist nach fast einem Jahr?Nein,es ist nicht besser,eher schlimmer,die Sehnsucht wird immer größer.Neid!Neid ist ein starkes Gefühl,aber ein sehr negatives.Ich bin froh das ich es schon im ersten Jahr meiner Trauer ablegen konnte.Gott,was war ich neidisch auf alle die ihre Kinder bei sich hatten.Es tat so weh,Familien zu sehen,die mit ihren Kindern glücklich durchs Leben gehen.Ich hätte alles getan um Jan auch wieder bei uns zu haben.Aber stimmte es wirklich so,wenn ich glückliche Familien sah?Waren sie das?Nein,denn vielleicht hatten auch sie ein Sternenkind.Wut!Mein Lieblingsgefühl,Wut hat Kraft und die braucht man um die Trauer zu über stehen.Wut kann man sinnvoll nutzen und ist ganz wichtig um in seiner Trauer weiter zu kommen.Wut hat mich immer wieder aus meinen Löchern raus krabbeln lassen,in die ich gestoßen wurde.Immer wenn ich ganz tief in meinem Loch saß,kam die Wut und hat mich heraus gezogen.Wut ist ein sehr mächtiges Gefühl,das mir die Kraft gegeben hat,wieder ins Leben zurück zu kommen.Einsamkeit!Gott,was war ich einsam.Mein Kind war tot und ich bin an scheindend für einige Menschen mit Jan gestorben.Das war ein schwerer Lernprozess für mich.Alles auf das man sich sonst verlassen konnte gab es nicht mehr.Eigentlich war es die größte Verletzung,die mir noch zu gefügt werden konnte.Freunde ,wo ich dachte es wären Freunde,meldeten sich sich nicht mehr.Einige aus der Familie zogen sich zurück.Übrig geblieben ist ein kleiner Haufen,der mühsam versucht mit Jans Tod umzugehen.Mein Kind war Tod,was sollte ich als Mutter jetzt tun?Der Mann geht nach einiger Zeit seiner gewohnten Arbeit nach(ich will damit nicht sagen,das es für ihn einfach ist) ,aber was sollte ich machen?Keine Schule,keine Freunde vom Kind mehr,keine anderen Eltern mehr.Mein Leben war total auf den Kopf gestellt.Ich mußte lernen mit der Einsamkeit zu leben .Ich hätte von mir selbst nie gedacht,dass ich es könnte.Aber meine Wut hat gesiegt.Ich will es all den Menschen zeigen,die denken ich wäre mit Jan gestorben.Zeit nach Hause zukommen!Ich schaue auf die Uhr ,es ist viertel vor zwei und ich habe immer das Gefühl,Jan kommt gleich durch die Haustür und sagt:" Mama ,ich bin wieder da. " Es wird wieder alles gut." Ich finde ich habe es lange genug ohne ihn ausgehalten,jetzt kann er aber endlich nach Hause kommen.Was haben wir denn schlimmes getan ,das wir diese Sehnsucht nach unserem Kind aushalten müssen.Ich verstehe es nicht.Lebenslänglich!Wir Eltern,die ihre Kinder hergeben mußten haben lebenslänglich bekommen.Wir sind zwar nicht im Gefängnis,das wäre ja noch human.Da bräuchten wir nicht immer heile Familie sehen.Nein,uns wird jeden Tag vor Augen geführt,wie es sein könnte,wenn unsere Kinder noch da wären.Es gab ein Leben vor dem Tod des Kindes und ein ganz neues danach.Ein Teil von uns fehlt,das ist als wenn ein Bein weg wäre und wir müßten jetzt lernen mit einem Bein zu laufen.Wir werden aber nie wieder so laufen können,als wenn wir noch beide Beine hätten.Ich weiß jetzt ,das mir mein Kind ein Leben lang fehlen wird.Mit diesem Schmerz müssen wir leben,deshalb haben wir " Lebenslänglich " bekommen.Erbe!Jan`s Erbe an mich ist,dass ich weiß ich habe ihm alles gegeben zu dem ich fähig war.Wenn wir noch mal bei Null anfangen würden,würde ich alles genau so machen.Ich würde nichts ändern.Dass ist ein gutes Gefühl.Viele sagen,du bist eine starke Frau,aber was soll ich denn sonst tun?Mein Leben hat mich so geformt,durch das was ich alles durch machen mußte.Heute denke ich das alles so kommen mußte,um mich auf den größten Gau in meinem Leben vorzubereiten.Ich würde mich und Jan verraten,wenn ich jetzt anders wäre.Jan ,war ein Mamakind,auch wenn mein Mann das nicht gerne hört,aber das ist eine Tatsache.Er hat die Stärke gehabt und wo hat er sie her?Von mir.Ich habe ihm gezeigt,das man sich alles erkämpfen muß.Es wäre eine Lüge,wenn ich nicht gegen die Sehnsucht nach ihm kämpfen müßte.Ich weiß ich muß stark sein,damit alles was ich ihm beigebracht habe,vor uns beiden bestehen kann.Ich werde für uns beide weiter stark sein,dass bin ich Jan schuldig.500 Tage ohne mein Kind!Eigentlich gehöre ich nicht zu den Menschen denen Zahlen und Daten wichtig sind.Ich weiß auch nicht warum gerade diese Zahl mich so fertig macht.Es ist immer noch als wäre Jan gestern erst hier gewesen.Wie kann er auch weg sein?Er ist so tief in mein Herz eingedrungen,ich spüre ihn so tief in mir,da könnte es auch nicht anders sein.Viele denken endlich sind die Feiertage vorbei.Ich denke es nicht,denn im Januar ging das ganze Drama los.Das bedeutet für mich immer,die Krankheitsphase noch mal zu durch leben.Ich würde sonst etwas dafür geben,wenn es wirklich so wäre.Denn dann hätte ich Jan wieder,selbst wenn es nur für kurze Zeit wäre.Jeder denkt ich sei stark und so werde ich auch von den meisten behandelt.Aber das stimmt nicht.Ich bin in tiefster Seele verletzt und keiner sieht es.Jolina und ihre Trauer!Jolina war 3 Jahre als Jan starb.Sie wußte das er krank war,aber das er Tod war, das hat sie nicht verstanden.Ihr fehlte der Abschluß,denn für sie war Jan von heute auf morgen nicht mehr da.Viele Trauerneden gehen zu einem Medium.Ich bin der Meinung ,das man kein Medium braucht um mit unseren Lieben in Kontakt zu tretten.Jolina sagte zu mir:" Oma,Jan besucht mich,er kommt Nachts zu mir." Ich sagte ihr :" Du hast von Jan geträumt,das tue ich auch." Davon wollte sie nichts wissen,sie beharrt weiter darauf ,das Jan sie besucht und ich glaube ihr.Woher soll ein 5 jähriges Mädchen wissen,das es sowas wie Mediums gibt?Kann sie auch nicht im Fernsehen gesehen haben.Ich denke,man muß nur offen sein,dann braucht man kein Medium.Trauerdemenz!Fast alle die ein Kind verloren haben leiden darunter.Im Forum haben wir gemerkt ,das wir uns nichts mehr merken können .Wie oft mußte ich mir in den letzten 3 Jahren anhören,das habe ich dir aber erzählt.Ich bin dann in mich gegangen und da war nichts.Leere,hatte ich noch nie gehört.Konzentrieren ist auch ganz schwer,was mich nicht interessiert,rauscht einfach so an mir vorbei.Geht einfach nicht in meinen Kopf.Mittlerweile ist es besser geworden,aber ganz weg ist es immer noch nicht.Selbstwertgefühl!Unser Selbstwertgefühl hat stark gelitten.Wir sind erschüttert worden bis ins Mark.Die Frage warum passiert das gerade uns und unserem Kind ,hat uns völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. WENN EIN KIND STIRBT - VORTRAG KREBSKONFERENZ 27.02.2005 Andrea Riek Verwaiste Eltern Hamburg e.V. Durch Krankheiten, Unfälle, Suizid, Fehl- und Totgeburten, aber auch durch Katastrophen wie z.B. Eschede oder Kaprun sterben jährlich über 20.000 (!) Kinder in Deutschland. Mit dem Tod eines Kindes stirbt die Zukunft! WIE soll man damit leben können? Man glaubt verrückt zu werden. Alles ist ver-rückt, nichts ist mehr so wie es mal war. Was passiert in einer Familie, in der ein Kind gestorben ist? Hier nehme ich gerne das Beispiel des Mobiles: Stellen Sie sich ein Mobile vor, das symbolisch eine Familie darstellt. Normalerweise steht es im Gleichgewicht. Auch wenn Streitereien vorkommen und es mal mehr und mal weniger pendelt, sich sogar manchmal Familienmitglieder kurzzeitig ineinander verheddern, pendelt es sich doch wieder ein und steht wieder im Gleichgewicht. Anders wenn ein Kind stirbt: Es gerät völlig aus dem Gleichgewicht und pendelt sich nicht wieder ein. Zuerst wirbeln die Familienmitglieder wild durcheinander und zwar jeder für sich alleine, alle haben ihre wohlbekannten Plätze verloren. Stirbt eines von zwei Kindern, wird das zweite Kind plötzlich zum Einzelkind. Stirbt das jüngeste Kind, wird das vorletztgeborene zum jüngsten. Das gesamte Familiengefüge ist durcheinander geraten. Trauer ist keine Krankheit, kann jedoch krank machen, nämlich dann, wenn sie nicht gelebt werden kann. Oft treten Folgeerkrankungen auf: Suchterkrankungen, Depressionen, Herzinfarkte, Herzrhytmusstörungen, erhöhte Infektanfälligkeit aufgrund von Immunschwäche, verschiedene psychische / psychosomatische Erkrankungen wie Schlaflosikeit, Kopfschmerzen und Magenleiden. Die meisten dieser Erkrankungen betreffen natürlich auch Kinder und Jugendliche, die einen Bruder oder eine Schwester verloren haben. Nach vielen Jahren, manchmal Jahrzehnten treten die o.g. Krankheiten auf, die kaum jemand im ursächlichen Zusammenhang mit dem Verlust eines Geschwisters sieht. Trauer verlangt dem Körper und Geist absolute Höchstleistung ab. Bis zur Beerdingung muss man so viele Dinge erledigen; Blumenschmuck aussuchen, Grabstelle kaufen, Sarg aussuchen, Anzeige aufgeben, … Dies gibt einem das Gefühl, doch noch etwas für sein Kind tun zu können. Außerdem kommt man dadurch nicht zur Ruhe und somit bekommt die Seele etwas Zeit, die Nachricht vom Tode des Kindes stückchenweise zu erfassen. In der Zeit nach der Beerdigung, wenn es ruhiger um einen wird, beginnt man langsam den Schmerz zu erahnen, der durch den Tod des Kindes entsteht: Das Bettchen bleibt leer, der Stuhl am Esstisch bleibt unbesetzt. Zuerst kann man sich noch einreden, das Kind würde einige Tage bei den Großeltern verbringen, oder alleine verreist sein. Bis man schließlich die ganze Wucht des Trauerns erfährt. Man fühlt sich amputiert, leer, die Sehnsucht erscheint unerträglich, man sieht keinen Sinn mehr im Leben denkt ans Sterben. Dazu kommen oft Schuldgefühle: Ich habe als Mutter versagt, weil ich mein Kind nicht beschützen konnte! Der Schmerz wird übermächtig und man hat Angst, verrückt zu werden, weil man ihn nicht aushalten kann. Auch kommt es einem verrückt vor, dass für einen selber die Zeit stehen zu bleiben scheint, man ist erfüllt von Schmerz, will die Sonne nicht mehr scheinen sehen, die Blumen nicht mehr blühen sehen, keine Nachrichten interessieren mehr – und für andere Menschen geht alles ganz normal weiter: Die Müllabfuhr kommt wie jeden Dienstag, die Mutter von gegenüber bringt ihre Kinder wie immer in die Schule und winkt ihnen nach. Alles ist durcheinandergewirbelt und man hat keinen Platz mehr. Dort wo man vorher ( es gibt eine neue Zeitrechnung: Vor dem Tod des Kindes und nach dessen Tod!) stand, kann man nun nicht mehr stehen. Was einem vorher wichtig war, wurde einem genommen und dadurch erscheint jetzt alles sinnlos und leer. Jeder trauert für sich, ganz individuell. Der eine kann weinen, der andere nicht, der eine möchte darüber sprechen, der andere schweigen, der eine möchte sich damit bewußt auseinander setzen, der andere möchte verdrängen. Bei Familienmitgliedern wird dies besonders schwierig, da ja jeder für sich trauert und man manchmal keinen Zugang zu dem anderen mehr findet. Viele Menschen denken nach dem Tod ihres Kindes oder Kinder an Selbstmord. Kommt man allerdings irgendwann an den Punkt, an dem man versucht zu überleben, stellt man fest: Das Leben, was ich vorher gelebt habe, gibt es nicht mehr. Die Person die ich vorher war, werde ich nie mehr sein. Der Tod meines Kindes hat mich verändert. Prioritäten haben sich verlagert, Ansichtsweisen geändert, alte Freunde verloren, neue Freunde gewonnen. Besonders wichtig für Betroffene ist die Möglichkeit über das verstorbene Kind sprechen zu können. Wenn sich nach Monaten oder auch Jahren, niemand anderes mehr für das verstorbene Kind zu interessieren scheint, oder auch aus Scheu oder Unwissenheit das Thema lieber totgeschwiegen wird. Die betroffenen Eltern haben somit das Gefühl, ihr Kind würde ein zweites Mal sterben. (Geschichte von der Frau und dem Arzt.) Es wird uns in unserer Gesellschaft nicht erlaubt zu trauern, sondern man wird als besonders tapfer angesehen, wenn man so schnell wie möglich wieder ins Leben zurückkehrt und über die Toten nicht mehr spricht. Im Alltag und Berufsleben stoßen trauernde Menschen in der Regel auf völliges Unverständnis für ihre Situation. Sie müssen funktionieren und fühlen sich überfordert. Es kommt über Jahre zu häufigen Krankschreibungen, in manchen Fällen zu Berufsunfähigkeit, die finanzielle Schwierigkeiten bis hin zur Sozialhilfe nach sich zieht. Ein Beispiel läßt deutlich werden: Nach einem Unfall, bei dem man ein Bein verloren hat, kann man eventuell eine Prothese bekommen. Mit dieser Prothese kann ich wieder mehr oder weniger laufen lernen, aber ich werde nie wieder so gehen und mich bewegen können, wie ich es vor dem Unfall konnte. Es fällt einem schwer zu erkennen, dass man nicht stehengeblieben ist, dass man versucht mit dieser Prothese zu gehen. Irgendwann, scheinbar unbemerkt, stellt man fest, dass man alte Fotos ansehen kann, ohne diesen Messerstich mitten ins Herz zu verspüren, man ist traurig und weint, aber der Stich tut nicht mehr so weh, dass es einem den Atem raubt. Irgendwann kann man den Satz „ Mein Kind ist gestorben“ aussprechen, ohne dass einem die Stimme versagt. Irgendwann braucht man nicht mehr krampfhaft zu versuchen, die nächste Stunde zu überleben oder zu überstehen, sondern denkt schon an den nächsten Tag oder sogar an die nächste Woche. Andrea Riek Verwaiste Eltern Hamburg e.V. Dieses Gedicht hat uns Betroffenen zweigeteilt.Einige fanden es ganz schlimm,dass Gott so grausam ist.Mir hat es gefallen,weil Jan gläubig war.Es ist vielleicht eine Erklärung,warum uns Jan genommen wurde. Der liebe Gott ging seiner täglichen Arbeit nach und schickte neue Kinder auf die Welt. Ein Engel half ihm bei der Auswahl und der liebe Gott wählte sehr sorgfältig aus, welche Kinder zu welchen Eltern passten. Gott: " Zur Frau Müller schicke ich den Buben, der ist sehr lebendig und Frau Müller hat nicht viel Geduld. Das wird sie lernen müssen. Beide werden in diesem Leben lernen Ruhe füreinander zu finden, auch wenn es nicht immer einfach wird. Er wählte noch einige Kinder aus für die passenden Eltern. Aber dann kammen wohl wir an der Reihe: "Und diese Familie bekommt dieses Sternenkind" Der Engel sprach verwundert: " Aber lieber Gott, warum denn diese Familie sie sind doch so glücklich und so gute Menschen" Gott: " Ja das sind sie, aber genau deswegen bekommen sie dieses gesegnete Kind. Sie lieben Ihre Kinder über alles und sie werden auch dieses Kind lieben in ihrem Herzen. Eben diese Menschen können ein Kind bis in die Jenseitswelt hinaus unendlich lieben! Deshalb habe ich sie auserwählt." Engel: " Aber was ist, wenn sie verzweifeln, werden sie es überhaupt verkraften können ? " Gott: " Ich werde Ihnen die nötige Kraft und Zuversicht geben! Sie werden anfangs zwar sehr verzweifelt sein und sehr viel weinen, aber sie werden lernen, dass man Dinge im Leben nicht beeinflussen kann und manche Dinge in Ihrem Leben noch nicht zu verstehen sind. Sie werden es annehmen und damit leben können. Im Gegenteil, sie werden fühlen was es für ein Glück ist um ihre vorhandenen Kinder oder die die noch kommen werden. Sie werden sehr bewußt jeden Tag auskosten mit Ihren Kindern und jede Minute des Lebens mit Glück und Liebe erfüllen." Engel: " Aber lieber Gott, was ist wenn sie Ihren Glauben an dich verlieren in dieser Not?" Gott: " Vielleicht werden sie auf mich wütend sein, vielleicht werden sie eine zeitlang sogar mich dafür hassen, aber mit der Zeit werden sie Ihren Glauben stärken. " Engel: "Aber wodurch denn?" Gott: " Sie werden merken, dass ich ihnen ihr Kind nicht weggenommen habe, sie werden ihr Kind spüren und fühlen. Sie bekommen einen kleinen Einblick in die Jenseitswelt und werden mit Ihr sehr innig verbunden sein, weil sie dort jemanden haben, denn sie so sehr lieben. Sie werden wissen, dass ihr Kind trotzdem bei ihnen ist und sie besonders gut beschützt. Sie werden dafür kleine Zeichen bekommen und sie werden eines Tages ein besonderes Geschenk bekommen von mir für ihren Verlust" Der Engel fragt ganz neugierig: " Lieber Gott, welches Geschenk denn?" Gott: " Wenn es Zeit wird für die Eltern und ich sie zu mir holen werde, dann wird ihr Sternenkind das erste sein, was sie sehen. Sie werden dann zusammen alle Zeit der Welt haben, um das nachzuholen, was ihnen in der Menschenwelt genommen worden ist. Sie werden diese Zeit ausleben und geniesen ohne Streß, ohne Krankheit, ohne Verpflichtungen. Es wird dann nur noch die Eltern und das Sternenkind geben und sie werden so glücklich sein, wie nie zuvor. Während andere verstorbene Eltern die keine Sternenkinder haben sich noch lange gedulden müssen, bis sie eins ihrer Kinder in die Arme schließen können. Und irgendwann folgen auch die Geschwister und dann ist die Familie für immer vereint." Engel: "Ja das ist ein wundervolles Geschenk, die Familie ist für ein Sternenkind sehr geeignet!" 8.06.2011 Die Trauer verändert sich! Ich kann nicht mal sagen,ob sie sich zum Guten verändert.Sie wird einfach anders.Am Anfang wollte ich nicht gesehen werden und das habe ich auch geschafft.Als jemand zu mir sagte:Ach ,sie sind die Mutter ,die ihr Kind an einem Hirntumor verloren hat,hat es mich sehr getroffen,ich wollte nicht die Mutter mit den totem Kind sein,vor der jeder Angst hatte.Oder besser mit der keiner umzugehen wußte. Ralph hat am Anfang immer geweint wenn er von Jan erzählt hat oder sich mit jemand über Jan unterhalten hat.Ich nicht,ich konnte das steuern,war ja auch einfach,weil mit mir niemand über Jan geredet hat.Heute bin ich es die immer weinen muß,weil ich es nie gelernt habe über Jan zu reden.Ein Freund von uns hat uns Fragen gestellt,wie das mit Jan für uns ist.Fand ich super,endlich mal einer.Ich merkte aber schnell,das ich an meine Grenzen kam,denn hier zu schreiben oder es richtig aussprechen ist eine ganz andere Sache.Ich muß lernen über Jan zu reden,wenn man mich dann läst. Am Anfang war da der richtige körperliche Schmerz,der da sitzt wo die Schmetterlinge sind wenn man verliebt ist.Jetzt ist er auch wieder da,wenn die Erinnerungen kommen,nicht die Schönen,sondern die,die richtig weh tun.Für mich ist es das Sterben von Jan. Text am 28 Jan 2011 durch Birgit eingefügt
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